Feuerwehr

Schwarzenbek

Unklare Gefahrensituation nach Einsatz

Dienstag, 16.05.2017 19:40 von Jan Piossek

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Besteht für Schwarzenbeks Feuerwehrmänner erhöhte Krebsgefahr? Diese Frage beschäftigt die Männer, die auf schnelle Klärung hoffen. Denn nach dem Großbrand an der Hamburger Straße ist weiter unklar, wie stark die ehrenamtlichen Retter der Stadt einer Gesundheitsgefährdung durch Krebs erregende Asbestfasern ausgesetzt waren. Die Schutzkleidung von 30 Feuerwehrmännern wurde zunächst dicht verpackt, ebenso einige Atemschutzgeräte. So soll verhindert werden, dass sich gefährliche Fasern, die möglicherweise in der Luft waren, ausbreiten. „Das ist richtig so, man muss da auf Nummer sicher gehen“, erklärte gestern Christian Heinz, stellvertretender Geschäftsführer der Hanseatischen Feuerwehrunfallkasse Nord (HFUK), dem Versicherer der norddeutschen Feuerwehren.

Die Gesundheitsgefahr kommt in Betracht, weil das Dach des ehemaligen Chinarestaurants „Jade“ mit Wellplatten aus Faserzement belegt war. Die sind bekannter unter dem Begriff „Eternitplatten“. Dafür waren über Jahrzehnten Asbestfasern verarbeitet. Heinz: „Die sind nachweislich Krebs erregend.“ Fraglich ist zurzeit noch, ob die Platten auf dem Altbau an der Hamburger Straße eben aus der Epoche stammen, die als gefährlich gilt. „Unser Bauamt hat sich sofort mit dieser Frage beschäftigt, aber noch kein Ergebnis“, berichtete gestern Thomas Bellizzi, der Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Er machte sich gestern zusammen mit Bauamtsleiter Reinhard Schmüser vor Ort ein Bild der Situation. „Für die Dacheindeckung steht so gut wie nichts in unserer Bauakte zu dem Objekt. Um alle Zweifel auszuschließen, werden wir die Sachen jetzt begutachten lassen“, erklärte der Ordnungsamtsleiter.

Durch die enorme Hitze während des Brandes zerplatzen solche Wellplatten. Um an Brandnester im Dachstuhl zu gelangen, mussten die Feuerwehrmänner während der Löscharbeiten außerdem einige Platten zerschlagen. Und durch diese Art der Zerstörungen werden kleinste Teilchen und gegebenenfalls halt auch Asbestfasern freigesetzt. „Im direkten Brandrauch sind die Feuerwehrmänner solchen Dingen dann natürlich ausgesetzt. Deshalb gilt es, eine Kontamination der Schutzkleidung auszuschließen, um die Dinge nicht zu verschleppen und bei den Trägern mögliche Krankheiten auszulösen“, erklärt Heinz. Sein Tipp: Feuerwehren sollten für ihre Mitglieder eine zweite Garnitur oder mindestens einen Pool Schutzkleidung als Reserve haben. Oft wird das aus Kostengründen gescheut. Auch in Schwarzenbeks haben alle Retter nur einen persönlichen Schutzanzug.

„Mir ist wichtig, dass ich für meine Einsatzkräfte absolute Gewissheit habe“, macht Feuerwehrchef Thorsten Bettin deutlich. Notfalls – sollten die Schutzanzüge nicht zu reinigen sein – müsste die Stadt für Ersatz sorgen. Wahrscheinlich würde sie auf den Kosten in Höhe von etwa 30.000 Euro sitzenbleiben. Denn laut Brandschutzgesetz sind Brände für die Betroffenen kostenfrei. Bellizzi erklärte allerdings, dass man für eine genaue Einschätzung tief in die Kommentare zum Gesetz einsteigen müsste. „Das wäre ja erst der zweite Schritt, jetzt brauchen wir erstmal Klarheit, was da ist“, sagte er.

Marcus Bätge von der Initiative „FeuerKrebs“ kennt die Gefahren, denen sich Feuerwehrleute im Einsatz aussetzen müssen. Studien in Kanada und Australien haben ergeben, dass Feuerwehrleute einem bis zu 30 Prozent höheren Krebsrisiko ausgesetzt sind als die Durchschnittsbevölkerung. Es scheint nicht nur der direkte Kontakt zum Brandrauch, der oftmals Krebs erregende Stoffe enthält, zu sein. Vor dem schützen sich die Retter ja in der Regel mit von der Umluft unabhängigen Atemschutzgeräten.

Aber auch der Schmutz, dem die Feuerwehrleute ausgesetzt sind, birgt Gefahren. „Deshalb ist eine konsequente Schwarz/Weiß-Trennung nötig“, sagt Bätge. Als schwarz gelten kontaminierte Dinge, weiß sind die sauberen Bereiche. „Es ist unerlässlich, den Einsatzkräften nach solchen Bränden die Möglichkeit zu geben, sich umzuziehen. Anderenfalls gelangen Schadstoffe durch eine Kontaminationsverschleppung in Löschfahrzeuge, mit denen dann auch die Jugendfeuerwehr ja wieder zu Übungen fährt“, warnt Bätge vor Gefahren. Auslöser für „FeuerKrebs“ können neben Asbest auch Benzol, Formaldehyd, Ruß, Dieselpartikel, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe, polybromierte Diphenylether, Dioxine, Furane, Blei oder Arsene sein. Wenn der Körper schwitzt – und das tut er beim Löschen in der Regel – öffnen sich die Poren, Schadstoffe haben es 400-mal leichter, einzudringen.

„Die beteiligten Einsatzkräfte und Besonderheiten des Einsatzes sollten in einer Datenbank dokumentiert werden, damit sie nachweisen können, bei was für Einsätzen sie dabei waren, sollte es zu einer Erkrankung kommen“, rät Bätge. „FeuerKrebs“ kämpft nämlich für eine Anerkennung verschiedene Krebsarten als Berufskrankheit.

 

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